Stellungnahme zum Beschluss des Parteivorstandes DIE LINKE „Nein zur Annexion des Westjordanlandes“

Am 6. Juni 2020 verabschiedete der Parteivorstand der Partei DIE LINKE den Beschluss „Nein zur Annexion des Westjordanlandes“. Da sich dieser jedoch nicht ernsthaft mit den Plänen der Israelischen Regierung auseinandersetzt, sondern sich in Plattitüden der so genannten „Israelkritik“ ergeht, sehen wir uns gezwungen dem vehement zu widersprechen. Über die Annexions-Pläne der Israelischen Regierung kann man sicher diskutieren. Es soll hier auch nicht darum gehen, ob man dafür oder dagegen sein sollte – mit Sicherheit finden sich gute Argumente, die man dagegen anbringen könnte. Doch diese fehlen komplett im Beschluss des Parteivorstandes. Stattdessen wirft man Israel vor, die „bereits jetzt schon äußerst angespannte

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8. Mai 2020

„Heute vor siebzig Jahren wurde nicht Deutschland vom Nationalsozialismus befreit, sondern die zivilisierte Welt von der deutschen Barbarei. Die Deutschen, die bis zum Schluss hinter ihrem geliebten Führer standen, mussten mit massiven militärischen Mitteln zur Kapitulation gezwungen werden, und sie empfingen die Alliierten nicht mit Blumen, sondern mit Argwohn, unendlichem Selbstmitleid und dem Gefühl, um den Endsieg betrogen worden zu sein. Für sie war der 8. Mai 1945 der Tag der Niederlage, und so haben sie es auch selbst gesehen. Sehr zu Recht übrigens, denn befreit werden kann nur, wer sich zuvor in einer Form von Gefangenschaft befunden hat. Die übergroße Mehrheit der

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Am Yisrael Chai

„Ich, der ich sonst für keinen Staat besonders eintrete, der ich sonst über Staaten nicht gerade zimperlich denke und über den Nationalismus ausgesprochen bösartig, stehe für Israel ein, weil ich diesen Staat für notwendig halte. […]Die Vernichtungslager, wo jüdisches Volk unterging, ohne sich zu wehren, und der Aufstand des Warschauer Ghettos, wo jüdisches Volk vernichtet wurde, indem es sich wehrte, diese zwei fürchterlichen Möglichkeiten, die einem Volk am Ende bleiben, forderten, damit sie sich nicht wiederholen, den jüdischen Staat. […] Einen erhabeneren Grund, einen Staat zu gründen, mag es geben, einen notwendigeren nicht.„ – Friedrich Dürrenmatt, „Zusammenhänge – Essay über Israel“, 1976.

Statement: Von Fischen, Katzen und Zugezogenen

Sollte ein so genannter „Zugezogener“ Oberbürgermeister einer Stadt werden dürfen oder nicht? Als ob es derzeit keine anderen, relevanteren Probleme gäbe, beschäftigte diese Frage Dr. Thomas Feist, Kreisvorsitzender der CDU Leipzig sowie sächsischer Landesbeauftragter für Jüdisches Leben und gegen Antisemitismus am vergangenen Sonntag. „Wenn eine Katze im Fischladen Junge bekommt, sind das dann Fische?“ fragte er im Leipziger Fernsehen am Abend des Zweiten Wahlgangs zur OBM-Wahl in Leipzig. So absurd es erscheinen mag, aber stellen wir uns auch einmal die Frage: braucht man quasi „Leipziger Gene“, muss man die raue Luft der Leipziger Straßen schon in der Wiege geatmet, das „Leipziger Allerlei“ von

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Redebeitrag zum Gedenken anlässlich des Internationalen Gedenktags an die Opfer der Shoah und die Befreiung von Auschwitz – 27. Januar 2020

Unser Redebeitrag zur Gedenkkundgebung anlässlich des Internationalen Gedenktags an die Opfer der Shoah und die Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee: „Wir sind heute hier zusammen gekommen, um zu gedenken. Um an den größten Zivilisationsbruch zu erinnern, den es gab – und den die meisten gerne aufgearbeitet wüssten, ohne sich ansatzweise mit dieser Aufarbeitung konfrontiert zu haben. Denn dieser Prozess bedarf mehr als ein paar niedergelegte Kränze und dazu gesprochene, meist gut klingende aber oft wenig sagende Worte. Mitnichten wollen wir den Grund und die Notwendigkeit unserer Zusammenkunft am heutigen Tage kleinreden oder gar negieren, doch bedarf es weit mehr, um „das

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Veranstaltungsreihe „Antisemitismus in…“

„… existierte der Jude nicht, der Antisemit würde ihn erfinden.“[Jean-Paul Sartre] Geht es um Antisemitismus, werden in den meisten Debatten schnell Schuldige ausgemacht oder nur Teilbereiche des öffentlichen Lebens betrachtet. Dabei wird jedoch verkannt, dass einzelne politische oder popkulturelle Äußerungen nur gesellschaftliche Phänomene darstellen, und nicht allein Ausdruck subkultureller Strukturen sind. So schlägt jede Analyse fehl, die Antisemitismus als Randerscheinung einzelner Gruppen begreift, und diesen nicht in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext setzt. Er ist schon lange fester Bestandteil dessen, zieht sich durch sämtliche Bereiche – findet dabei nur immer wieder verschiedene Formen des Ausdrucks und der Sichtbarkeit.Dem Antisemiten geht es in seinem geschlossenen Weltbild

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Redebeitrag bezüglich des Attentats in Halle – 10. Oktober 2019

Unser Redebeitrag bei der Gedenkversammlung am 10. Oktober 2019 bezüglich des antisemitischen Attentats in Halle: Ein antisemitischer Terroranschlag in Halle. Zwei Tote, etliche Verletzte und angeblich ein „Einzeltäter“. Dieser ist gestellt – also alles gut, die Gefahr ist gebannt. Wie gut, dass ansonsten niemand versucht mit einem Messer in eine Synagoge zu klettern und mit antisemitischen Ausrufen versucht Personal anzugreifen… wie gut, dass sonst keine Jüdinnen und Juden mit Steinen beworfen, geschlagen, angespuckt werden… wie gut, dass es nicht regelmäßig Solidaritätsbekundungen für eine Antisemitin und Shoah-Leugnerin gibt, die völlig zu Recht hinter Gittern sitzt… Wie gut, dass deutsche Politiker nicht Vertretern des antisemitischen

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