{"id":103,"date":"2021-06-07T12:12:19","date_gmt":"2021-06-07T10:12:19","guid":{"rendered":"https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/?p=103"},"modified":"2021-06-07T12:12:19","modified_gmt":"2021-06-07T10:12:19","slug":"statement-zu-antisemitischen-uebergriff-in-leipzig-gohlis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/?p=103","title":{"rendered":"Statement zu antisemitischen \u00dcbergriff in Leipzig-Gohlis"},"content":{"rendered":"\n<p>AG debate. &#8211; 8. Mai 2021<\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. Mai 2021 eskalierten in einem Leipziger Wohnhaus bereits l\u00e4nger andauernde antisemitische Anfeindungen in einem t\u00e4tlichen Angriff. Eine j\u00fcdische Person wurde von einer Nachbarin zuerst im Hausflur angeschrien und antisemitisch beleidigt, im weiteren Verlauf sogar k\u00f6rperlich angegriffen. Nachdem ihr die Flucht in die eigene Wohnung gelang, versuchte sich die Angreiferin Zugang zu derselben zu verschaffen, w\u00fcste Beschimpfungen sowie andauerndes Klingeln und Klopfen folgten. Die verst\u00e4ndigte Polizei erschien erst \u00fcber eine Stunde sp\u00e4ter. Nachdem die wieder weg waren, ging der Psychoterror weiter. Erst als die Polizei ein zweites mal vor Ort war und der Nachbarin mit Ingewahrsamnahme drohte, schien die Attacke beendet. Diese Atempause nutzten die beiden in der Wohnung lebenden J\u00fcdinnen um das Haus und mittlerweile auch die Stadt Leipzig zu verlassen. Eine R\u00fcckkehr ist vorerst nicht abzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vorfall zeigt exemplarisch die Pr\u00e4senz von Antisemitismus bis hin in den privatesten R\u00fcckzugsraum von J\u00fcdinnen und Juden. Die Realit\u00e4t, die selbstverst\u00e4ndlich ist f\u00fcr die meisten in Deutschland lebenden Menschen, n\u00e4mlich der Schutz des eigenen Wohnraums, ist f\u00fcr j\u00fcdisch identifizierte Menschen gar nicht mehr so sicher. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn am Tag der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands der eine oder andere Politiker im einstudierten Gedenken deutsche Betroffenheit durchexerziert und sich selbst das M\u00e4rchen vom gutgewordenen Deutschland erz\u00e4hlt, k\u00f6nnte sich die bundesweite Realit\u00e4tsflucht nicht offensichtlicher als L\u00fcge zeigen. Denn in dieser Realit\u00e4t werden J\u00fcdinnen und Juden, wie der aktuellste Vorfall aus Leipzig aufzeigt, weiterhin als das Feinbild angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland ist es wie eh und je selbstverst\u00e4ndlich, dass man Juden beleidigt und attackiert: Die Nachbarin f\u00fchlte sich offenbar vollkommen sicher in ihren Handlungen und sah keinen Grund daf\u00fcr ihre Identit\u00e4t zu verschleiern \u2013 der Vorfall ereignete sich eben nicht in der Anonymit\u00e4t des Internets. Ebenso selbstverst\u00e4ndlich ist es, dass in einem Wohnhaus es niemand f\u00fcr N\u00f6tig h\u00e4lt einzugreifen, wenn j\u00fcdische Nachbarinnen \u00fcber Stunden drangsaliert werden. Auch selbstverst\u00e4ndlich ist, dass antisemitische Vorf\u00e4lle f\u00fcr die Polizei keinen Grund zur Eile darstellen. Wiederum selbstverst\u00e4ndlich ist die Furcht, der sich die beiden Frauen ausgesetzt sahen: Ihr Gef\u00fchl von Schutzlosigkeit ist f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden in Deutschland keine Momentaufnahme.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist uns wichtig zu betonen, dass besagte Nachbarin keine beliebige Rassistin ist, im Gegenteil: Sie begr\u00fc\u00dfte die beiden Frauen freundlich und interessierte sich f\u00fcr die Sprache, die beide miteinander sprachen. Erst als sie erfuhr, dass es sich dabei um Hebr\u00e4isch handelte, \u00e4nderte sich ihr Verhalten grundlegend und wurde feindselig. Es war explizit das J\u00fcdisch-Sein der Beiden, dass den Hass der Nachbarin entfachte. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Hass stellt 76 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs f\u00fcr ca. 200.000 Menschen einen Grund dar, ihr J\u00fcdisch-Sein zu verstecken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-104\" srcset=\"https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n-768x768.jpg 768w, https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n-800x800.jpg 800w, https:\/\/agdebate.die-linke.cloud\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/183178574_809659409982263_6600238374286174686_n.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AG debate. &#8211; 8. 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